# ADR-0002: Session-Scope-Token-Format - **Status:** accepted - **Datum:** 2026-10-25 - **Entscheider:** CTO - **Betroffene Dokumente:** `docs/architecture/v1.1.md` Abschnitte 3c, 4.5a, 5.1, 6, 7a.0, 9.1 ## Kontext und Problemstellung Ein Agent, der eine Datenquelle liest, muss ihr beweisen, dass er für Benutzer Y in einer aktiven Session S liest — nicht nur, dass er irgendein Agent ist. Ohne diesen Nachweis gibt es keine saubere Grundlage für OPA-Regeln wie „Agent-Travel darf nur `project_assignments` seines eigenen Benutzers lesen, nicht fremder". Pocket ID allein liefert nur Agent-Identität (via `client_credentials`), keine Benutzer-Delegation. ## Entscheidungsoptionen - **Option A — Vollständiger OAuth 2.0 Token Exchange (RFC 8693) in Pocket ID.** Agent macht Token-Exchange gegen Pocket ID; dieser prüft Session und mintet ein Delegations-Token mit `act`-Claim. - **Option B — Eigener Session Scope Token Service (SSTS) in `trust-api`.** Agent präsentiert Pocket-ID-Access-Token + K8s-SA-Token; SSTS prüft doppelt, konsultiert OPA, stellt kurzlebigen JWT mit `act`-Claim aus, signiert mit eigenem Ed25519-Schlüssel. Datenquellen-Adapter validieren per JWKS offline. - **Option C — Opaque Bearer Tokens mit zentralem Introspection-Endpunkt.** Datenquellen rufen bei jedem Request `POST /introspect` am trust-api. ## Entscheidung **Option B.** Der Session Scope Token Service läuft als Modul in `trust-api` und stellt JWTs im Format gemäß Anhang A dieser ADR aus, signiert mit einem eigenen Ed25519-Schlüssel. ### Begründung - **Pocket ID macht keinen RFC-8693-Flow.** Der Check im Pocket-ID-OIDC-Discovery zeigt `client_credentials`, aber keinen `urn:ietf:params:oauth:grant-type:token-exchange`. Option A würde Pocket ID erweitern müssen oder einen zweiten IdP aufbauen — beides nicht gewünscht (siehe `docs/architecture/v1.1.md` 3a). - **Offline-Validierung ist wichtig.** Datenquellen-Adapter sollen Tokens ohne Round-Trip zum trust-api prüfen können — JWKS + signierter JWT reichen. Option C erzwingt eine Netzwerkrunde pro Lese-Request und bindet Datenquellen-Verfügbarkeit an trust-api-Verfügbarkeit. - **OPA-Entscheidung bleibt zentral.** Der SSTS konsultiert OPA genau einmal beim Ausstellen, nicht pro Query. Rego-Policies müssen nur im trust-api deployed sein. ## Entscheidung — Anhang A: Token-Format Header: ```json { "alg": "EdDSA", "typ": "JWT", "kid": "sst-2026-q4" } ``` Payload (Claims): ```json { "iss": "https://trust.basicstack.de", "sub": "agent-travel", "act": { "iss": "https://auth.basicstack.de", "sub": "user-12345", "session_id": "SES-2026-10-25-abc" }, "aud": "ds:expense-db-app", "scope": { "data_source": "ds:expense-db-app", "resource": "project_assignments", "filters": { "employee_id": "EMP-12345" }, "operation": "read" }, "jti": "01HE2D3V6X7Y8Z9ABCDEFG", "iat": 1735120000, "exp": 1735120300, "nbf": 1735120000, "policy_version": "sha256:" } ``` Semantik: - `iss` = feste trust-api-Issuer-URL. - `sub` = `agent_id` (OIDC-Client-Name in Pocket ID + Eintrag in Agent Registry). - `act` = Delegations-Kontext nach RFC 8693 §4.1 (Semantik, nicht der volle Flow). `act.sub` ist der Benutzer, `act.session_id` die Approval-Service-Session. - `aud` = genau *eine* Zieldatenquelle. Mehrere Datenquellen → mehrere Tokens. - `scope` = engster erlaubter Scope. Datenquellen-Adapter MUSS `scope` strikt gegen Request matchen (keine erweiterten Filter, keine zusätzlichen Resources). - `jti` = ULID oder UUID. Datenquellen-Adapter führen `scope_token_log` mit `UNIQUE (data_source_id, jti)` als optionalen Replay-Schutz zusätzlich zur `exp`-Prüfung. - `exp` − `iat` = **≤ 300 Sekunden** (5 Minuten). Begründung: Agenten holen Tokens pro Query, nicht pro Session. - `nbf` = `iat`. - `policy_version` = SHA-256 des zur Entscheidungszeit aktiven OPA-Rego-Bundles. Wandert später in die Query Attestation für Nachvollziehbarkeit. Signatur: Ed25519. Schlüsselmaterial liegt in OpenBao Transit (`transit/keys/session-scope-token-signer`), rotiert alle 90 Tage. JWKS unter `https://trust.basicstack.de/.well-known/jwks.json`. ### Begründung Detailentscheidungen - **EdDSA statt RS256.** Konsistent zum restlichen Signatur-Stack (DSSE / in-toto nutzen Ed25519). - **5-Minuten-TTL.** Lang genug für Chat-Interaktionen mit einer Datenquelle; kurz genug, dass ein geleakter Token begrenzten Schaden anrichtet. Agenten holen bei Bedarf einen neuen; `/session-scope-tokens` ist bewusst billig. - **`scope.filters` ist Teil des Tokens.** Alternative wäre „offene" Reads mit späterer Filterprüfung — würde aber erlauben, dass ein Agent erst eine breite Query stellt und dann nur bestimmte Zeilen weitergibt. Mit Filter im Token geht das nicht; die Query Attestation beweist zudem die gefilterten Parameter. - **`aud = ds:...`.** Explizite Audience bindet den Token an *eine* Datenquelle. Verhindert, dass ein Token bei anderen Datenquellen „probiert" wird. ## Konsequenzen ### Positive - OPA-Policies werden einmal pro Scope-Request ausgewertet, nicht pro Query-Zeile. - Datenquellen können offline (ohne trust-api) authorisieren — bessere Entkopplung, besseres Fehlerverhalten. - Delegationskette ist in Attestierungen vollständig nachvollziehbar: `session_scope_token_jti` zeigt zurück auf Token-Ausstellung, die wiederum OPA-Policy-Version trägt. ### Negative / Trade-offs - Zusätzliche Signatur-Round-Trip (Agent → `/session-scope-tokens`) pro Lese-Operation. Bei chattigen Workflows mit vielen kleinen Queries ggf. relevant — eine spätere ADR könnte Scope-Token mit mehreren erlaubten Resources diskutieren. - Datenquellen-Adapter brauchen JWT-Validierungs-Bibliotheken (für Go: trivial, `github.com/go-jose/go-jose`). ### Folgearbeiten / Open Points - Client-Library (Go) für Agenten mit Caching eines Scope-Tokens bis `exp - 30s`. - Rego-Testsuite für die drei Policy-Klassen (Transformation, Senke, Datenquelle). - Monitoring: Rate von Scope-Token-Ausstellungen pro Agent/Benutzer; Anomalie-Erkennung. ## Links - `docs/architecture/v1.1.md` Abschnitte 3c, 4.5a, 5.1, 6, 7a.0, 9.1 - RFC 8693 (OAuth 2.0 Token Exchange) - Pocket ID OIDC Discovery: `https://auth.basicstack.de/.well-known/openid-configuration`