Diese Lösung wird als **Identity-Aware Agent Messaging Platform** konzipiert: eine Plattform, die Benutzerfreigaben, delegierte Berechtigungen und sämtliche Verarbeitungsschritte kryptografisch nachvollziehbar macht.
> **Der Benutzer autorisiert den ursprünglichen Geschäftsinhalt. Jeder Agent attestiert anschließend seine eigene Verarbeitung. Die empfangende Senke überprüft die vollständige Kette, bevor sie eine Aktion ausführt.**
Diese Revision setzt die Richtungsentscheidungen der ersten beiden Review-Runden um:
- **Scope Evidence Store:** kein rechtssicherer, kein WORM-/GoBD-Anspruch. Ziel ist der kryptografische Nachweis einer unverfälschten Kommunikation während eines **begrenzten Zeitraums** (Default: 1 Jahr).
- **PII-Trennung:** verbindlich. Attestierungen enthalten nur Hashes und Referenzen; personenbezogene Inhalte liegen in einem separaten, redaktionierbaren PII-Store.
- **IdP:** **Pocket ID** wird einziger IdP — für Menschen *und* Agenten (per `client_credentials`-Grant). Kein Keycloak.
- **Content Binding:** eigener Abschnitt 4.0 als verbindliches UX-/Signatur-Protokoll (WebAuthn über Content-Hash + visuelle Prüfziffer).
- **🆕 Senken-Generalisierung:** SAP ist eine von vielen möglichen Prozess-Senken. Der Trust-Core ist senken-agnostisch. Senken-Adapter sind eine austauschbare Schicht mit festem Vertrag (Abschnitt 7).
Logische Komponentenübersicht, keine direkte Netzwerktopologie. Freigabe- und Attestierungsnachweise werden über eigene APIs erstellt und geprüft; der Transport (HTTPS/mTLS + NATS, optional Matrix) überträgt nur Referenzen und Nachrichten — nie die Vertrauensentscheidung.
Der Prozess endet an einer **Senke** (Sink). Senken sind nach außen offene Zielsysteme — ERP (SAP S/4HANA, SAP Concur), eigene Datenbankanwendungen, HTTP-Webhooks externer Dienste, Message-Queues (Kafka/NATS), Dateiablage (SFTP, S3), Legacy-Systeme (Mail/EDI) oder beliebige kundeneigene APIs. Der Trust-Core ist senken-agnostisch; pro Senken-Typ gibt es einen **Senken-Adapter**, der denselben Vertrag erfüllt (Abschnitt 7).
4.**Unabhängige Autorisierung** — eine Signatur allein erteilt keine Berechtigung; eine Policy Engine kontrolliert erlaubte Transformationen und Senken-Aktionen.
Zusatzprinzip: **Senken-Neutralität.** Weder der Trust-Core noch der Verifikationspfad kennen die Semantik einer konkreten Senke. Senken-Adapter übersetzen zwischen dem senken-agnostischen „Decision"-Objekt und dem jeweiligen Zielsystem.
Approval, Attestation, Registry (Agent + Sink) und Verification bleiben in **einem modularen Go-Dienst** zusammengefasst. **Signing Service läuft als eigenes Deployment**. **Senken-Adapter** laufen pro Senken-Typ als eigenes Deployment oder — bei trivialen Senken — als Thin-Client im Buchungs-Agenten.
Pocket ID unterstützt neben dem Authorization-Code-Flow auch den OIDC **`client_credentials`-Grant** (Endpunkt `POST /api/oidc/token`) und bietet eine Standard-OIDC-Discovery inkl. JWKS unter `https://auth.basicstack.de/.well-known/openid-configuration`. Damit:
- **Menschen** melden sich per Passkey (WebAuthn) über den Authorization-Code-Flow an.
- **Agenten** werden in Pocket ID als eigene OIDC-Clients registriert (ein Client pro Agent). Jeder Client erhält `client_id` + `client_secret`, hinterlegt als K8s-Secret im Agent-Namespace. Agenten holen sich daraus kurzlebige Access-Tokens.
- **Senken** (insb. externe wie SAP) verifizieren per Pocket-ID-JWKS. Keine Federation nötig.
Jeder Vorgang erhält eine unveränderliche `workflow_id`. Jede Fassung der Daten wird als eigenes Artefakt mit SHA-256-Hash gespeichert. Der *Hash* liegt im Evidence Store; der *Inhalt* (PII) im separaten PII-Store.
1.**Benutzerfreigabe** — Approval Service bindet die Signatur an den Hash des Inhalts, den der Benutzer per Content Binding bestätigt hat (siehe 4.0), und an die OIDC-Identität des Mitarbeiters.
2.**Agent A: Vorbereitung** — Agent A signiert eine Attestierung über Eingabe-Hash, Ausgabe-Hash, Transformationsart und ursprüngliche Freigabe.
3.**Agent B: Mapping auf Senken-Datenmodell** — Agent B signiert seine eigene Attestierung mit Referenz auf die Ausgabe von Agent A.
4.**Agent C: Senken-Übergabe** — Agent C überprüft die komplette Kette, führt die Aktion über den passenden **Senken-Adapter** aus und erzeugt nach erfolgreicher Übergabe einen signierten Übergabenachweis mit Senken-Belegreferenz.
1. Approval Service rendert den Freigabe-Inhalt serverseitig, berechnet SHA-256 `H_content` und speichert `(session_id, H_content, salt)` mit einmaligem `challenge_nonce`.
2. Browser zeigt den Inhalt *und* eine aus `H_content + challenge_nonce` abgeleitete, menschenlesbare **Prüfziffer** (z.B. 6 Zeichen Base32).
3. Benutzer bestätigt per Passkey (WebAuthn-Assertion über `challenge_nonce || H_content`).
4. Approval Service verifiziert die WebAuthn-Assertion, prüft Session-Integrität, erzeugt erst dann die DSSE-signierte Approval-Attestierung.
DSSE's Pre-Authentication Encoding (PAE) signiert Nutzlast und Inhaltstyp gemeinsam. `keyid` ist nur Hinweis — die Identität ergibt sich aus der verifizierten Signatur gegen den zur `issued_at` gültigen Schlüssel in der Agent Registry.
Agent B signiert diese Attestierung mit seinem eigenen Schlüssel. Wird dieselbe Freigabe auf eine zweite Senke abgebildet (z.B. „sink:expense-db-app"), erzeugt Agent B eine **zweite** Attestierung mit anderem `sink_target` und `output`-Schema.
**Retention und Performance.** Rotation Default 90 Tage, Nachweis-Retention 1 Jahr → max. ~5 nicht-archivierte Schlüssel/Agent. Nach Retention: `archived_at` wird gesetzt; Attestierungen jenseits der Retention werden explizit mit `expired_retention` abgelehnt.
Senken sind **registrierte Entitäten** mit eigener Identität, Audit-Vertrag und — falls sinnvoll — eigenem Krypto-Schlüsselmaterial für Übergabenachweise:
```sql
CREATE TABLE sinks (
sink_id TEXT PRIMARY KEY, -- z.B. "sink:sap-s4hana-prod"
display_name TEXT NOT NULL,
adapter_kind TEXT NOT NULL, -- "sap_abap" | "db_app" | "http_webhook" | "message_queue" | "file_drop" | "custom"
idempotency_scope TEXT NOT NULL, -- "payload_hash" | "workflow_id" | "sink_defined"
callback_pubkey_pem TEXT, -- optional: Senke signiert eigene Buchungsnachweise
allowed_actions TEXT[] NOT NULL,
owner_team TEXT NOT NULL,
created_at TIMESTAMPTZ NOT NULL,
retired_at TIMESTAMPTZ
);
```
Der Verification Service verifiziert bei jedem Aufruf: `requested_action ∈ sink.allowed_actions` und `sink.retired_at IS NULL`.
## 5. Verifikation beim empfangenden Senken-Adapter
Der Senken-Adapter (oder — bei Thin-Client-Senken — Agent C) darf sich nicht auf die mitgesendeten IDs verlassen. Er muss die gesamte Nachweiskette prüfen.
- Verification Service hält eine Postgres-Tabelle `decisions` mit `UNIQUE (payload_hash, target)` für den Doppelübergabe-Check.
- Jeder Senken-Adapter führt eine **eigene** Replay-Tabelle (`sink_decision_log`) mit `UNIQUE (decision_id)` und `UNIQUE (payload_hash)`. Defence in Depth, denn der Trust-Core kennt die Idempotenz-Eigenschaften der Senke nicht.
- Doppelübergabe wird gegen `payload_hash` (nicht nur `workflow_id`) geprüft.
Ein Hashvergleich allein reicht nicht, weil sich beim Mapping das technische Format ändert. Deshalb binden wir die Freigabe an ein **versioniertes kanonisches Schema**:
- OPA-Policies arbeiten gegen das kanonische Schema; sie prüfen z.B. „Agent B darf `total_amount` nicht verändern" oder „Agent B darf `expense_items[].amount` höchstens kaufmännisch runden".
- Schema-Änderungen sind Breaking Changes und erfordern eine neue Hauptversion.
Der Trust-Core ist senken-agnostisch. Jede Senke wird über einen **Senken-Adapter** angebunden, der denselben Vertrag erfüllt. SAP S/4HANA ist eine Senken-Implementierung; weitere Beispiele siehe 7.1–7.5.
1.**Verifizieren** — ruft `POST /api/v1/attestations/verify` auf (oder bettet die Verifikationslogik mit eingezogenen Schlüsseln ein) und bricht bei `valid=false` oder abgelaufener Decision ab.
2.**Idempotent sein** — führt eine eigene Tabelle `sink_decision_log` mit `UNIQUE (decision_id)` und `UNIQUE (payload_hash)`.
4.**Übergabenachweis zurückgeben** — signierte Antwort (ideal: Senke besitzt eigenen Schlüssel in `sinks.callback_pubkey_pem`; Fallback: Agent C signiert die unsignierte Senken-Antwort inkl. `sink_record_ref` selbst).
5.**Fehlerpfad definieren** — nach N fehlgeschlagenen Versuchen fließt der Vorgang in eine senken-eigene Operator-Queue oder meldet strukturierten Fehler an den Trust-Core (`sink_delivery_failed`-Attestierung).
6.**Mapping zu Business-IDs** darf nur serverseitig passieren — eine vom Agenten gelieferte Personalnummer / Benutzer-ID / Kostenstelle darf eine im Senken-System hinterlegte Zuordnung nicht überschreiben.
Die Verification Service-Antwort ist senken-agnostisch (`decision_id`, `bound_to_target`, `bound_to_agent`, `authorized_action`). Was die Senke damit tut, ist adapter-spezifisch.
### 7.1 Beispiel: SAP S/4HANA (Senke `sink:sap-s4hana-prod`)
ABAP-Integrationsschicht statt direktem Agentenzugriff auf Buchungsfunktionen.
Rückgabe: ob Decision noch gültig, nicht verbraucht, an Agent C und Target gebunden.
**sap-agent-token** wird manuell im SAP-System hinterlegt. Rotation: neuer JWT (90 Tage) wird vom Signing Service erzeugt, Operator trägt in SM59 ein, alte und neue Token sind während Rollover parallel gültig.
**SAP-Audit** liegt in Tabelle `ZAGENT_AUDIT` (`WORKFLOW_ID`, `APPROVAL_ID`, `USER_SUB`, `PERNR`, `AGENT_ID`, `PAYLOAD_HASH`, `VERIFICATION_ID`, `DECISION_ID`, `BUKRS/BELNR/GJAHR`, `CREATED_AT`), mit `UNIQUE (WORKFLOW_ID)` und `UNIQUE (DECISION_ID)`.
### 7.2 Beispiel: Eigene Datenbankapplikation (Senke `sink:expense-db-app`)
Minimale Senken-Variante: eine selbst gebaute Postgres-App (eigener Microservice).
Der Senken-Adapter läuft **auf unserer Seite** (nicht im externen System), weil wir die Verifikation vor dem Push durchführen müssen. Er verwaltet pro Senke:
- Secret für `Authorization`-Header (im K8s-Secret),
- Retry-Backoff (3 Versuche, exponentiell),
- Rückmeldung an Agent C mit `sink_record_ref: "http:<url>:<externe-id-aus-response>"`.
Der Senken-Adapter publiziert nach erfolgreicher Verifikation einen Event auf einem Topic. Payload enthält `workflow_id`, `decision_id`, `payload_hash` und (sofern erlaubt) den fachlichen Nutzinhalt. Idempotenz: Queue-Message-Deduplication-Key = `decision_id`. Senken-Belegnummer = Queue-Message-ID.
Für Export in Partnerumgebungen (SFTP) oder Cold-Storage.
Der Adapter legt eine Datei mit kanonischem Namen (`<workflow_id>_<decision_id>.json`) ab, signiert sie als DSSE und schreibt eine Index-Zeile in `sink_decision_log`. Dateipfad = `sink_record_ref`.
### 7.6 Welchen Adapter wo deployen?
| Senke | Adapter läuft bei uns | Adapter läuft im Zielsystem |
| SAP S/4HANA | nein (dünner Agent C) | ja (ABAP-Endpoint + Validierungs-Webservice-Call) |
| Eigene DB-App | ja (`expense-db-adapter`) | — |
| HTTP-Webhook extern | ja (`webhook-adapter`) | — |
| Message-Queue | ja (`queue-adapter`) | — |
| Dateiablage | ja (`file-adapter`) | — |
| Legacy (Mail/EDI) | ja (adapter spezifisch) | — |
Daumenregel: Wenn das Zielsystem eigene Autorisierungs-/Audit-Funktionen hat (SAP), bringen wir dort einen dünnen Verifier unter. Wenn nicht, läuft der komplette Adapter in unserem Cluster.
**Ziel:** kryptografisch belegen, dass die Agent-Kommunikation unverfälscht gelaufen ist, und diese Prüfung nachträglich zulassen. **Kein** rechtssicheres GoBD-Archiv.
**Retention Default: 1 Jahr.** Nach Ablauf werden Attestierungen, Decisions und zugehörige Schlüsselhistorie automatisiert gelöscht. Konfigurierbar pro Prozess-Typ *und pro Senken-Typ* (z.B. Webhook-Senken kürzer).
Ein Transparency Log ist ein append-only Merkle-Tree mit Inclusion Proofs und signierten Tree-Heads. Entscheidend: strikte Reihenfolge, starke Konsistenz, Inclusion Proofs in ms. Cassandra ist dafür ungeeignet (eventual consistency, Ordering nur per Partition). Trillian + PostgreSQL ist bewährt (Basis von sigstore rekor), passt in unsere bestehende Postgres-Infrastruktur und reicht für <1MioEinträge/JahraufeinerkleinenInstanz.TäglichersignierterLog-RootwirdinsBackup-Systemgespiegelt.
1.**Pocket-ID-Access-Token** (Header `Authorization: Bearer`) — gegen Pocket-ID-JWKS; `sub = agent-<name>` muss zu einem registrierten Agent passen.
2.**Projected ServiceAccount-Token** (Header `X-Workload-Token`, Audience `signing-service.agent-trust`) — gegen K8s TokenReview; Namespace + ServiceAccount müssen zum Agent in der Registry passen.
OpenBao Transit signiert Ed25519. Caveat: Transit kennt kein DSSE — der Signing Service berechnet die DSSE-PAE selbst und übergibt nur den Hash an Transit.
Pocket ID als IdP, Approval Service mit Content Binding, ein Testagent mit Ed25519-Schlüssel in der Agent Registry, Signing Service mit doppelter Identitätsprüfung, Verification Service für zweistufige Kette, **eine triviale Senke** (`sink:dummy-sink` als Mock-Adapter in Go) für den vollständigen Durchlauf.
**Wichtigste Empfehlung bleibt:** Zuerst in Phase 1 ein vollständiger signierter Testdurchlauf mit einer trivialen Mock-Senke. Erst in Phase 4 wird die erste echte Senke angebunden — ob SAP oder eine eigene DB-App entscheidet die Produkt-Priorität.